Schulbesuch im Ausland - aus der Sicht einer Schülerin

Schulbesuch im Ausland - aus Sicht einer Schülerin High School Year - Neue Freundschaften entstehen

Mein Name ist Tanja, ich bin 15 Jahre alt und besuche derzeit die 9. Klasse eines Dresdner Gymnasiums. Nach der 10. Klasse werde ich ein High School Year in den USA absolvieren. Ich habe mich schon immer für einen Schulbesuch im Ausland interessiert. 

Ich hoffe und wünsche mir, dass ich mit diesem, meinem Artikel zahlreichen Schülern bei der Frage: „Sollte ich ein Schuljahr im Ausland absolvieren?“ weiterhelfen bzw. sie zum Nachdenken anregen kann. Und auch die Eltern möchte ich mit diesen Zeilen ansprechen.

Warum ein Auslandsschuljahr während der Schulzeit? 

Natürlich fragt man sich immer, was einem ein Auslandsjahr bringen und ermöglichen kann, bevor man sich dafür oder dagegen entscheidet. Nur ist leider vielen Schülern nicht bewusst, welche Chancen so ein Auslandsschuljahr mit sich bringt. Es gibt für Schüler vermeintliche Gründe, sich gegen ein Jahr im Ausland zu entscheiden. Gründe, die für die meisten Schüler, mit denen ich gesprochen habe, ausschlaggebender sind, als die positiven Aspekte. Die meisten entscheiden sich gegen den Schulbesuch im Ausland, weil sie dann ein Schuljahr „wiederholen“ müssten und der Meinung sind, dass sie dadurch ihren Freundeskreis verlieren. Das Argument hat auch mich zum Nachdenken gebracht, was mein Auslandsjahr betrifft. Irgendwann ist mir dann jedoch klar geworden, dass ich im Prinzip das Schuljahr gar nicht wiederhole, ich setze es nur aus. Und wirklich wahre Freundschaften überdauern aus meiner Sicht einen längeren Auslandstrip.

Ich gehe ins Ausland - und meine Freunde bleiben zurück

Mit dem Entschluss, ins Ausland zu gehen, sollte jedem bewusst sein, dass einem das Schuljahr im Ausland in Sachsen nicht anerkannt wird. Somit wird man ein Jahr später mit der Schule fertig, als der Jahrgang, mit dem man den Großteil der Schulzeit verbracht hat. Das heißt aber nicht automatisch, dass Du Deinen Freundeskreis verlierst. Im Gegenteil: Während Deines Auslandsjahres hast Du die Möglichkeit, einerseits mit Deinen Freunden in Kontakt zu bleiben - sei es zum Beispiel über WhatsApp, Instagram, Snapchat, per Skype oder über Anrufe. Andererseits ist ein Auslandsjahr ja nicht für die Ewigkeit. Nach einem Jahr wirst Du Deine "alten" Freunde wiedersehen, jedoch hast Du dann auch weitere neue Freundschaften im Ausland geschlossen und Dir dabei ein internationales Netzwerk aufgebaut.

Nach Deiner Rückkehr sind Deine Freunde, die Du in Deutschland hattest, ein Schuljahr weiter als Du es aktuell sein wirst. Natürlich kann es passieren, dass Du, nachdem Du wieder in deiner Heimat bist, nicht mehr zu all deinen Freunden die gleiche Beziehung haben wirst, wie davor. Außerdem bauen sich die meisten Abiturienten nach dem Abi sowieso einen teilweise neuen Freundeskreis auf, weil sie sich wegen Studium oder Ausbildung nicht mehr so häufig sehen. Sei Dir also bewusst, dass eine Veränderung in deinem Freundeskreis so oder so passieren wird, diese aber nicht von Deinem Auslandsbesuch abhängig ist. Wahre Freunde werden immer Kontakt zu Dir pflegen - egal wo Du Dich gerade befindest.

Fazit: Gib Dein Auslandsjahr nicht aus Angst vor Veränderungen auf, da Veränderungen am Ende immer auch etwas Positives mit sich bringen. 

Ohne Moos nix los - ...bye, bye Auslandsschuljahr?

Ein weiterer Grund, der für viele Schüler (und Eltern) eine wichtige Rolle spielt, ist die Finanzierung des Auslandsaufenthalts. Ich habe mit vielen Schülern geredet, die aus finanziellen Gründen nicht ins Ausland gehen konnten. Richtiger wäre die Aussage gewesen: "Meine Eltern und ich kannten das staatliche Förderprogramm für den Schulbesuch im Ausland nicht". Auch mein Auslandsjahr wäre, ohne finanzielle Unterstützung vom Staat, nicht finanzierbar. Ich werde einen Antrag auf Bewilligung von Schüler-AuslandsBAföG stellen. Das Förderprogramm ist nach sozialen Kriterien aufgebaut und als Schüler kann man bis zu 6.000 € vom Staat als Zuschuss erhalten, also geschenkt. Es kann praktisch jeder ins Ausland gehen, wenn er will. Geld spielt in dieser Hinsicht natürlich eine Rolle, ist aber kein Ausschlusskriterium gegen ein Jahr im Ausland. Neben BAföG gibt es auch noch Stipendien für Austauschschüler. Hör also nicht hin, wenn sie Dir erzählen, dass Dein Auslandsjahr nicht finanzierbar sei. Das ist Unwissenheit, gemischt mit einer gehörigen Portion Neid.

Beispiel: Derzeit absolviert ein Schüler, über bildungsdoc® vermittelt, ein Schuljahr (11 Monate) in Brasilien. Seine Mutter ist Invalidenrentnerin und bekommt eine ALG II-Aufstockung. Durch Schüler-AuslandsBAföG, einer "Spende" von Oma & Opa sowie einen Nebenjob des Schülers wurden die Auslandsträume wahr.

Hinweis: Für ein Auslandsschuljahr während der Schulzeit gibt es Förderprogramme und Stipendien, die die Finanzierung entscheidend erleichtern. Für ein Auslandsjahr nach der Schulzeit gibt es diese Förderungen nicht mehr. Dann ist das Auslandsjahr reines Privatvergnügen und das Kindergeld wird höchstens noch für vier Monate gezahlt.

Gastfamilie - passt sie auch hundertprozentig zu mir?

Viele Schüler haben auch Angst, Streit mit ihrer Gastfamilie zu bekommen und gehen deswegen lieber nicht ins Ausland. Das man sich mit seiner Gastfamilie nicht immer perfekt versteht, ist jedem Schüler klar, der ins Ausland geht. Du hast ja bestimmt auch hier Missverständnisse mit Deiner Familie, mir geht es auch so. Die Gastfamilie hat während Deines Auslandsjahres die komplette Verantwortung für Dich. Und Dein Auslandsjahr wird zu Beginn bestimmt auch hin und wieder einen Kulturschock mit sich bringen. Da Du jeden Tag mit Deiner Gastfamilie zusammen bist, werden auch hier Missverständnisse auftreten. Das bedeutet aber nicht, dass daraus unlösbare Probleme entstehen. Meistens klären diese sich von selbst. Sollte es aber dazu kommen, dass Du sehr unzufrieden mit der Situation bist und nicht weißt, wie Du das Problem klären kannst, hast Du immer einen Ansprechpartner vor Ort, der Dich bei der Lösung Deiner Probleme unterstützt. Er wird mit Deiner Gastfamilie reden. Danach ist das Problem sehr oft keines mehr. Sollte es aber nicht funktionieren, hast Du als letzte Möglichkeit den Wechsel der Gastfamilie. Wichtig ist vor allem eins, dass Du Dich in jeder Situation mit Respekt gegenüber Deiner Gastfamilie verhältst.

Merke: Du hast zu Hause mit Deiner Familie auch Probleme - warum sollte es im Ausland anders sein. Lerne den Alltag in Deiner Gastfamilie so kennen, wie er ist und erwarte nicht, dass sie ihr Leben für Dich umkrempelt. Mit realistischen Erwartungen fühlt sich das fremde Land schon bald wie ein zweites Zuhause an.

Ich mache ein Auslandsschuljahr - aber was bringt es mir wirklich?

Du perfektionierst Deine Sprache. Nach diesem Jahr wirst Du fließend die Sprache des Gastlandes sprechen. Auch, wenn Deine Noten davor nicht unbedingt die besten waren. Ein Schulbesuch im Ausland bringt aber noch viel mehr positive Aspekte mit sich. Du wirst sehr viel an Selbstständigkeit mitnehmen, sodass Du, wenn Du wieder zuhause bist, viel weniger auf Dein Umfeld angewiesen sein wirst und mehr selbst im Leben stehst. Das liegt daran, dass Du lernst, im Ausland mit komplett fremden Menschen, Umgebungen und einer völlig anderen Kultur zurechtzukommen. Du machst während Deines Auslandsjahres einen enormen Sprung in Deiner Persönlichkeitsentwicklung, der Dir später auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet. Unternehmen suchen Mitarbeiter mit Persönlichkeit, welche nicht austauschbar sind. Dein Auslandsjahr ist ein großes Plus in Deinem Lebenslauf. Deine im Ausland erworbenen Soft Skills werden Arbeitgeber lieben. Privat werden Dir Deine internationalen Netzwerke viel Lebensqualität bieten. Oft wirst Du nur noch die Flugkosten bezahlen, denn Du übernachtest dann bei Freunden.

Wie überzeuge ich meine Eltern von meinen Auslandsplänen?

Hast Du Dich für einen Auslandsaufenthalt über drei, sechs oder zehn Monate, also einem Schuljahr, entschieden, folgt nun die Phase, in der Du Deine Eltern überzeugend von deinen Auslandsplänen berichten solltest. Es ist von Vorteil, wenn Du selbst Gründe dafür nennen kannst, warum Du ins Ausland willst. Wichtig ist, dass Dich Deine Eltern dabei unterstützen. Ohne sie wäre schließlich Dein Traum vom Ausland nicht durchsetzbar.

Bereite Dich darauf vor, dass Dir viele Fragen, auch über den Sinn des Auslandsschuljahres und die Finanzierung, gestellt werden. Mache zum Beispiel Deiner Familie den Unterschied zwischen Urlaub im Ausland und Leben im Ausland klar. Wenn Du längere Zeit im Ausland lebst, bekommst Du einen tiefen Einblick in die Kultur der Völker und entwickelst so Selbst- und Toleranzbewusstsein. Die Perfektionierung der Sprache passiert "nebenbei". Das Entscheidende aber ist, dass Du Dir einen gewaltigen Vorsprung in Deiner Persönlichkeitsentwicklung sicherst, der Dir einige Vorteile auf dem Arbeitsmarkt bringt.

Sei bereit, selber etwas für Dein Auslandsjahr beizutragen, denn Du kannst nicht erwarten, dass Du den Wunsch, ins Ausland zu gehen, äußerst - und dann werden es die Eltern schon managen. Egal ob mit Förderung oder ohne, ein Auslandsjahr kostet Geld. Zeige also, wie viel es Dir bedeutet, diese Chance nutzen zu können. Sei es durch Verbesserungen Deiner schulischen Leistungen oder durch Nebenjobs, um Deinen Beitrag zur Finanzierung zu leisten. Setze Dich am besten mit Deiner Familie zusammen und besprecht alle weiteren Schritte gemeinsam. 

Ich selbst hatte das Glück, meine Familie nie überzeugen zu müssen. Meine Familie hat mich von Anfang an in meinem Vorhaben unterstützt. Mein älterer Bruder wollte damals ebenfalls ein High School Year absolvieren. Meine Familie konnte sich das allerdings finanziell nicht leisten, weil wir noch nicht über die Möglichkeiten von Fördermitteln aufgeklärt waren.

Vorbereitungsphase - beginne frühzeitig

Es gibt viel zu erledigen, bevor Du ins Ausland gehst. Fang frühzeitig damit an, Dir über einige Dinge Gedanken zu machen. Von Vorteil ist, wenn Du ein Jahr im Voraus mit Deinen Planungen beginnst. Dann kommt auch keine Hektik auf. Als erstes solltest Du entscheiden, in welches Land Du gehen willst. Egal ob zum Beispiel Irland, Brasilien, Australien, China, England, die USA oder Südafrika: Oftmals sind sich Schüler nicht im Klaren darüber, welche Möglichkeiten sie bei der Wahl der Länder haben. Finde ein Land, welches Dich am meisten interessiert und wo Du am liebsten über einen begrenzten Zeitraum leben möchtest. Ein Schuljahr im Ausland zu verbringen, heißt nicht automatisch, für immer dort zu bleiben. Für mich viel die Wahl auf die USA, auch wenn mir bewusst ist, dass ich niemals in die USA auswandern würde. Zu meinen Vorstellungen von einem Auslandsjahr hat die USA aber am besten gepasst.

Durch "Regionenwahl" kannst du die passende Gastfamilie verpassen

Die richtige Austauschorganisation zu finden, ist für die meisten Schüler die größte Hürde. Mittlerweile gibt es davon sehr viele. Viele werben u.a. mit der sogenannten "Regionenwahl". In meinen Anfangsüberlegungen war es für mich auch wichtig, selbst zu bestimmen, wohin ich komme. Ich wollte in eine Stadt, weil ich befürchtete, dass ich auf einem Dorf nicht so viel erleben kann wie in einer Stadt. Falls es Dir ähnlich geht: Sei Dir bitte bewusst, dass Kalifornien nicht immer automatisch Los Angeles und weißer Strand bedeutet. Kalifornien kann genauso gut Wüste und Dorf für Dich bedeuten. Außerdem ist die Regionenwahl für die Organisationen nicht verbindlich. Sie können Dir nicht verbindlich zusichern, dass Du dann auch wirklich dorthin kommst, wo Du hinwillst. Wenn Du also zum Beispiel nach Texas willst, aber Deine Organisation keine Gastfamilie in Texas findet, kann es auch gut sein, dass Du beispielsweise in den Norden kommst. Deine 1.000-2.000 € für die Regionenwahl bekommst Du dann wieder zurück. Mittlerweile ist aber auch durch die Suche nach einer passenden Gastfamilie für Dich viel Zeit vergangen und Deine wahrscheinlich perfekte Gastfamilie, die allerdings an der Ostküste wohnt, hat sich in dieser Zeit für einen anderen Austauschschüler entschieden, denn Du wolltest ja an die Westküste. Denke daran, dass Du letztendlich in Deinem Auslandsschuljahr viel mehr als nur den einen Ort sehen wirst, in dem Du wohnst. Grund: Du wirst mit Deiner Gastfamilie, Deinen Freunden oder Deinem High School-Team sehr oft reisen.

Von der Bewerbung bis zum Kennenlernen der Familie

Die weitere Vorbereitung besteht aus Ausfüllen von vielen Unterlagen, Arztbesuchen, Gesprächen mit Deiner Organisation und einem Bewerbungsschreiben. In diesem Schreiben musst Du von Dir selbst erzählen. Sei dabei am besten so ehrlich wie möglich, damit Deine Organisation die beste Familie für Dich finden kann. Es ist wichtig, authentisch rüberzukommen und nicht das reinzuschreiben, was die meisten vielleicht von Dir hören wollen. Schreibst Du zum Beispiel, dass Du Dich gerne um den Haushalt kümmerst, dann wirst Du wahrscheinlich auch mehr Aufgaben im Haushalt Deiner Gastfamilie bekommen, da Dich Deine Gastfamilie dann auch nach dem Kriterium aussucht. Also schildere gut Deine Interessen und beschreibe Dich so, wie Du Dich vielleicht auch Deinen Freunden beschreiben würdest.

Da mit den Vorbereitungen sehr viel Aufwand verbunden ist, würde ich Dir raten, ca. ein Jahr vor Abflug (der oftmals im August ist) mit den Vorbereitungen zu beginnen. Mit etwas Glück lernst Du Deine Gastfamilie dann vielleicht schon im Frühjahr kennen. Egal wann, Du hast vorm Abflug noch ausreichend Zeit, Deine Gastfamilie über Soziale Netzwerke kennenzulernen, u.a. über Skype oder WhatsUp. Deine Eltern haben auch die Möglichkeit, ein paar Worte mit der Gastfamilie zu wechseln, die zukünftig die Verantwortung für Dich tragen wird. Die Fristen der Bewerbung hängen natürlich ebenfalls von der Zeitspanne ab, die Du im Ausland verbringen möchtest. Willst Du vielleicht nur drei Monate ins Ausland, reicht es auch, wenn Du Dich ein halbes Jahr davor bewirbst. Bei einem ganzen Schuljahr ist es besser, sich früher zu bewerben. Wer zuerst kommt, hat die größte Auswahl an Gastfamilien. Aber auch Last-Minute ist beim Auslandsschuljahr kein Problem. Allerdings steht dann nicht mehr die komplette Angebotspalette zur Verfügung. 

Ein Jahr im Ausland leben - aller Anfang ist hier nicht schwer

Hast Du alle Schritte der Bewerbung durchlaufen und hat sich eine Familie für Dich entschieden, so steht theoretisch nichts mehr zwischen Dir und Deinem Auslandsjahr. Bald wirst Du im Flugzeug sitzen, um in einer komplett neuen Gegend ein Leben zu leben, auf das Du vielleicht hier gar keine Chance hättest. Dadurch, dass Dich niemand in Deinem Gastland kennt, kann es gut passieren, dass Du Seiten bzw. Stärken von Dir erkennst, die Du in Deiner Heimat vielleicht nie wahrgenommen hättest! Mache Dir selbst keinen Druck wegen der anderen Kultur. Nach ungefähr drei Monaten beginnst du in der Landessprache zu träumen. Das ist dann ein weiteres Anzeichen dafür, dass Du gut angekommen bist. Du lebst dich früher oder später so gut ein, dass es den meisten Austauschschülern, mit denen ich geredet habe, schwer gefallen ist, sich nach der Rückkehr in ihrer Heimat wieder an den normalen Alltag zu gewöhnen.

In anderen Ländern gelten andere Schulsysteme als in Deutschland. In den häufigsten Fällen ist es so, dass Du jeden Tag den gleichen Stundenplan hast, aber verschiedene Fächer über die Semester oder Trimester wählen kannst. Wenn Du nicht in einem Bundesland lebst, in dem das Auslandsjahr anerkannt wird, so sind Deine Noten, während Du im Ausland bist, relativ egal. Außerdem hat man zum Beispiel in den USA ein viel breiteres Fächerangebot als in Deutschland. Dort gehören Fächer wie Theater, Psychologie, Chor oder sogar Gebärdensprache zum breiten Fächerangebot. Nutze die Chance und probiere auch Dinge aus, zu denen Du hier nicht den Bezug hattest oder solche, die Dich einfach schon immer interessiert haben. Auch wenn Du hier der Meinung warst, kein Schauspieltalent zu besitzen, kann das in deinem Gastland schon ganz anders aussehen. Mir wurde oft erzählt, dass Schüler, die im Ausland waren, sich während ihres Aufenthaltes künstlerisch komplett neu entfaltet haben und viel mehr Potenzial aus sich schöpfen konnten, als sie es je von sich gedacht haben.

Das gleiche gilt für Freizeitaktivitäten. Oft gibt es an der High School ein breites Angebot direkt nach der Schule. Spielst Du ein Instrument, so kannst Du das bestimmt im Ausland fortsetzen - oder ein neues ausprobieren? Wenn Du eher Lust auf Sport hast, wirst Du bestimmt auch in dieser Hinsicht etwas finden, was zu Dir passt. Vielleicht schaffst Du es ja direkt ins High School-Team! Freizeitaktivitäten sind aber auch gleichzeitig eine gute Möglichkeit, um Freundschaften zu knüpfen. Das kann im Ausland sogar noch einfacher werden als in Deutschland. Geh einfach auf die Leute zu und rede mit Ihnen. Oft sind sie aufgeschlossener als hier, da allein der Fakt, dass Du ein Austauschschüler bist, in vielen Leuten Interesse weckt. Und schließlich hast Du ja im Ausland nichts zu verlieren.

Motto: Entspannt und aufgeschlossen ins Auslandsschuljahr, der Rest kommt von ganz alleine.

Geh mit der Grundeinstellung ins Auslandsjahr, offen für alles Neue zu sein. Deine Gastfamilie kann zum Beispiel einer Religion angehören und sie erwartet von Dir, dass du mit ihr in die Kirche, die Moschee oder in ein anderes Gotteshaus gehst. Durch alltägliche Abläufe, Feiertage und dem Erleben aller Jahreszeiten wird Dir eine völlig andere Kultur vertraut werden. Während Deiner Zeit im Ausland lernst Du auch, Probleme selbst zu lösen - fernab von Deiner Familie. Allein wirst Du dabei nie sein, denn Deine Gastfamilie, Dein Ansprechpartner vor Ort oder Deine neuen Freunde helfen Dir, wenn Du es möchtest.

Einige Rückkehrer erzählten mir, dass sie sich bei ihren Eltern gleich nach der Ankunft im Gastland gemeldet haben. Der nächste Kontakt war allerdings erst einige Wochen später, weil sie so viele neue Eindrücke verarbeiten mussten, dass bei ihnen gar kein Heimweh aufkam, welches sie am Anfang befürchtet hatten. Im Nachhinein vermissen die meisten Austauschschüler die Zeit im Ausland sogar mehr als die Zeit zuhause. Der Abschied von ihrer Gastfamilie und den vielen neuen Freunden ist ihnen schwerer gefallen als der Abschied im Heimatland. Gerade gegen Ende Deines Auslandsjahres wirst Du versuchen, die verbleibende Zeit im Ausland so intensiv zu nutzen wie nur möglich.

Tipp von Austauschschülern: Erkläre Deiner Familie und Deinen Freunden vor(!) Abreise, dass Du erst einmal weniger Kontakt mit ihnen haben möchtest, um Dich an Dein neues Umfeld und die neue Sprache zu gewöhnen. Motto: "Wenn ihr von mir nichts hört, geht es mir gut." Und umgekehrt gilt das Gleiche.

Abschied nehmen - Rückkehr nach Deutschland

Die Zeit im Ausland vergeht schneller, als es den meisten Austauschschülern lieb ist. Zwar klingen am Anfang zehn Monate sehr lange, aber Du wirst so viel erleben, dass es Dir vielleicht eher wie die Hälfte vorkommen wird. Und dann ist schon der Zeitpunkt gekommen, an dem es heißt, Abschied zu nehmen. Abschied nehmen von einem Land, welches Dir noch lange als Dein zweites Heimatland in Erinnerung bleiben wird - vielleicht sogar ein Leben lang. Abschied nehmen von Menschen, die Dir so nah ans Herz gewachsen sind, dass sie zu Deiner (zweiten) Familie geworden sind. Aber dieser Abschied muss nicht für immer sein. Fast alle Rückkehrer, mit denen ich gesprochen habe, haben mir erzählt, dass sie ihre Gastfamilie wieder besucht haben. Ein Mädchen wurde direkt zur Hochzeit ihrer älteren Gastschwester nach Kapstadt eingeladen - und sie war nur drei Monate in Südafrika. Auch Du wirst immer wieder die Chance haben oder suchen, erneut ins Ausland zu gehen. Sei es während deines Studiums, bei einer Auszeit (Work and Travel, Freiwilligenarbeit) oder zu einem Auslandspraktikum. Oder aber auch nur, um endlich wieder einmal Deine Freunde zu besuchen!

Während Deiner Zeit im Ausland hast Du viel an Reife dazugewonnen und Dich zu einer Persönlichkeit entwickelt. Du hast Dich im Ausland positiv verändert, Du bist erwachsener geworden. Du hast in Deiner Persönlichkeitsentwicklung weitaus größere Schritte gemacht als die daheimgebliebenen Freunde. Arbeitgeber wissen, wie positiv sich ein Auslandsjahr, gerade in jüngeren Jahren absolviert, auf die Entwicklung eines Menschen auswirkt. Für Dich bedeutet dieses Plus in Deinem Lebenslauf auch erhöhte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Auslandsjahr stellt Dir also perfekt die Weichen für die berufliche Karriere. Und privat hast du Dir ein internationales Netzwerk aufgebaut, welches Dir eine hohe Lebensqualität bringen wird.

Resümee: Meine Meinung. Mein Weg.

In einem Jahr werde ich auf dem Weg in die USA sein, um dort ein Schuljahr zu verbringen. Dafür interessiert habe ich mich schon lange Zeit. In der fünften Klasse habe ich das erste Mal davon gehört, dass Leute nach der 10. Klasse in die USA für ein Schuljahr gegangen sind. Ich wollte direkt selbst losfliegen und habe damals schon gewusst, dass ich das auch machen werde. Jetzt, vier Jahre später, werde ich bald mit meinen Vorbereitungen anfangen, auch weil ich mich für das Schüler-AuslandsBAföG bewerben möchte. So kann ich mir meinen Traum vom Ausland erfüllen. Mir ist es selbst sehr wichtig, etwas zur Finanzierung beizutragen. Deshalb habe ich mir einen Nebenjob gesucht und werde bis zur Abreise einiges an Geld ansparen können. Im Ausland zu leben, ist eine Chance, die nicht so schnell wiederkommt. Wenn sich Deine Eltern bemühen, Dir Deinen Traum zu erfüllen, solltest Du das nicht einfach als selbstverständlich hinnehmen. Suche schon im Vorfeld nach Möglichkeiten, um Deinen Eltern etwas zurückzugeben. Ich hoffe, Du tust es! :-)

Ich habe für diesen Artikel Interviews geführt - mit ehemaligen Austauschschülern, mit Müttern, deren Kinder ins Ausland gegangen sind oder noch im Ausland sind, mit Schülerräten und auch der Politik. Dabei habe ich, neben dem Wissen, das ich mir selbst angeeignet habe, sehr viel gelernt: Zum Beispiel, warum Sachsen (inkl. Dresden!) auf den drittletzten Platz bei der Internationalisierung seiner Schüler liegt. Es gibt viele (falsche) Vorurteile und viel Unwissenheit. Es stimmt zum Beispiel nicht, dass der Schulbesuch im Ausland nur etwas für reiche Familien ist. Mit ist auch während meines Schülerpraktikums bewusst geworden, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit bei Schülern und Eltern notwendig ist, damit endlich mehr Schüler aus unserer Region von den vielen Vorteilen eines Auslandsjahrs profitieren können.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Artikel in Dir die Neugier für einen Schulbesuch im Ausland wecken und Dir mögliche Ängste nehmen. Das würde mich sehr freuen. Gleichzeitig möchte ich mich bei bildungsdoc® bedanken, dass sie mir dieses Schülerpraktikum, passend zu meinen Auslandsplänen, ermöglicht haben. Es war eine sehr interessante, spannende Zeit, in welcher ich meine anfängliche Angst vor Interviews mit Erwachsenen sehr schnell abgelegt habe. Auch Erwachsene können sehr nett sein! :-) 

bildungsdoc® wird mich und meine Familie auch in meiner Vorbereitungsphase zum High School Year in den USA unterstützen.

Liebe Grüße von Tanja

Der Artikel wurde während des Schülerpraktikums bei bildungsdoc® (18.05.-02.06.2017) geschrieben.


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